Warum ein Anwalt?

Mit der Neuregelung des Rechtsdienstleistungsgesetzes (RDG) ist es nunmehr auch Nichtjuristen möglich rechtlich, außerhalb eines gerichtlichen Verfahrens, zu beraten. Da ich selber jahrelang als Unternehmensberater tätig war, begrüße ich die Neuregelung, denn oftmals haben hochqualifizierte Berater aus der Praxis heraus Spezialwissen gesammelt, über welches nur wenige Anwälte verfügen. Voraussetzung für eine solche Beratung ist, dass diese nur ein Nebenprodukt des Angebots darstellt, dieses Nebenprodukt zum Berufsbild des Dienstleisters passt (Unternehmensberater, der sanierungsbezogen berät), dieser über die nötigen Fachkenntnisse verfügt und die Beratung nicht umfassend erfolgt.

 

Manches IT-Unternehmen wie Webdesigner bieten eine rechtliche Beratung an, die eine rechtssichere Webseite garantieren soll. Ich persönlich werde zwar gegen diese Unternehmer nicht aktiv vorgehen, aber zumindest vor solchen Angeboten warnen. Nimmt man das Angebot wörtlich, müssen unter anderem folgende Punkte geprüft werden: Vertragskontrolle (fehlerhafte AGB`s sind abmahnfähig), Kennzeichnungspflichten (nicht nur nach dem TMG), Datenschutzrichtlinien, Urheberrechtsverstöße (z.B. unlizenzierte Bilder), Arbeitsrecht (Einwilligung zur Veröffentlichung von Mitarbeiterdaten), Aufklärungspflichten (Onlineshops etc.) und im Falle von erotischen Inhalten zudem noch der Jugendschutz und etwaige Verstöße gegen das Strafrecht. Selbst wenn ein Volljurist diese Prüfungen übernehmen würde, so wäre ihm diese Art der Beratung untersagt, da sie einfach zu komplex und damit umfassend wäre. Prüft ein Webdesigner hingegen nur das Impressum, so wäre es ratsam, dass er dies nicht als einzelne Leistung, sondern als Nebenleistung zu der Hauptleistung (Webseitenerstellung) anbietet.

 

Gerade Rechtsschutzversicherungen und Automobilclubs versuchen oft eine Rechtsberatung dem Anwaltsbesuch vorzuschalten. Dies ist kein uneigennütziger Dienst an dem Kunden, sondern soll, da sie verpflichtet sind einen möglichen Anwaltsbesuch zu bezahlen, ihre eigenen Kosten minimieren. Verzichtet der Betroffene nun auf einen Anwaltsbesuch, spart dies dem Anbieter Geld, der Versicherte läuft aber Gefahr nicht die ihm eigentlich zustehende umfassende Beratung erhalten zu haben und daraus Schaden zu nehmen. 

 

Was neben den fachlichen Kriterien noch für einen Anwalt spricht, ist die Möglichkeit einer umfassenden Beratung (denn oft ergeben sich im Zuge der Erstberatung neue ungesehene Problemfelder), seine Pflichtversicherung, die Schäden bis mindestens 25.000 Euro abdeckt und eben das Aussageverweigerungsrecht. Finden sich auf der Seite wirklich illegale Inhalte, so kann nur der Anwalt die Sicherheit gewähren, dass er als Berater nicht aussagen muss und damit vielleicht genau den Beweis liefert, der zu einer Verurteilung führt. Von diesem prozessualen Problem sind aber eigentlich nur Seiten mit erotischem Inhalt oder einer schlechten IT-Sicherheit (Hacker) betroffen.

 

In einem Satz: Ein Anwalt ist kompetent, loyal, versichert, unabhängig und verschwiegen. Die einzige Berufsgruppe, die Ihnen ähnliche Sicherheiten geben kann, sind die Ärzte. 

 

Wer Näheres zum Rechtsdienstleistungsgesetz erfahren will, den verweise ich auf das Bundesministerium für Justiz.